OpenAI hat sich in den vergangenen Jahren von einem Forschungsprojekt zu einem der wichtigsten Akteure im globalen KI-Markt entwickelt. Die Mission des Unternehmens besteht darin, künstliche Intelligenz sicher zu entwickeln und möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen. Gleichzeitig ist dieser Anspruch teuer. Training, Infrastruktur und Betrieb moderner KI-Modelle verschlingen Milliardenbeträge. Trotz rasant wachsender Nutzerzahlen arbeitet OpenAI weiterhin mit enormen Investitionen und entsprechendem finanziellen Druck.
Um langfristig ein nachhaltiges Geschäftsmodell aufzubauen, experimentiert das Unternehmen nun mit einem neuen Schritt: Werbung innerhalb von ChatGPT.
OpenAI hat dazu einen offiziellen Ansatz vorgestellt, der vorsieht, Anzeigen in der kostenlosen Version des Chatbots zu testen. Ziel ist es, zusätzliche Einnahmequellen zu schaffen und gleichzeitig den Zugang zu KI-Tools für eine große Nutzerbasis erschwinglich zu halten. Die Tests laufen zunächst ausschließlich in den USA. Für europäische Märkte gilt jedoch wie so oft im Tech-Sektor: Wenn sich ein Modell in den USA etabliert, ist es meist nur eine Frage der Zeit, bis vergleichbare Ansätze auch in Europa und Deutschland folgen.
Erste Werbeanzeigen in ChatGPT aufgetaucht
Offiziell begann OpenAI am 9. Februar damit, Werbung innerhalb von ChatGPT auszuliefern. Öffentlich sichtbar wurden diese Anzeigen jedoch erst deutlich später. Erst am 20. Februar berichtete Adweek über erste bestätigte Sichtungen.
Die Suchanalysefirma Adthena untersuchte mehr als 500 ChatGPT-Prompts und stellte fest, dass Anzeigen aktuell nur in etwa 0,8 Prozent der Antworten erscheinen. Diese extrem niedrige Frequenz zeigt, wie kontrolliert und vorsichtig der Test derzeit läuft.
Quelle: OpenAI (https://help.openai.com/en/articles/20001047-ads-in-chatgpt)
So funktionieren die Anzeigen in ChatGPT
Die Anzeigen erscheinen derzeit am Ende einer Antwort des Chatbots und sind klar als gesponserte Inhalte gekennzeichnet. Sie werden nicht in die eigentliche Antwort integriert.
Laut OpenAI basiert die Ausspielung auf mehreren Faktoren:
- dem aktuellen Gesprächsthema des Nutzers
- früheren Konversationen innerhalb von ChatGPT
- vorheriger Interaktion mit Anzeigen
Bestimmte Themen sind komplett ausgeschlossen. Werbung wird nicht in Zusammenhang mit sensiblen oder regulierten Bereichen angezeigt, darunter Gesundheit, mentale Gesundheit oder politische Inhalte. Nutzer unter 18 Jahren sehen grundsätzlich keine Anzeigen.
ChatGPT Ads: Hohe Einstiegskosten für Werbetreibende
Der Zugang zum Pilotprogramm ist aktuell ausschließlich großen Marken vorbehalten. OpenAI bestätigte gegenüber Adweek ein Mindestbudget von 200.000 Dollar, während einige potenzielle Werbekunden sogar zu Budgets von 250.000 Dollar aufgefordert wurden.
Der geplante TKP liegt bei etwa 60 Dollar pro tausend Einblendungen. Damit bewegt sich das Werbeinventar preislich auf dem Niveau großer Sportübertragungen wie NFL-Broadcasts und deutlich über den durchschnittlichen CPM-Preisen auf Plattformen wie Meta oder Google Ads.
Warum Anzeigen in ChatGPT (aktuell) noch so selten erscheinen
Dass Anzeigen bisher kaum sichtbar sind, ist kein technisches Problem. Die geringe Frequenz ist laut Branchenbeobachtern bewusst gewählt.
Zwischen dem offiziellen Start am 9. Februar und den ersten öffentlichen Sichtungen lagen elf Tage. Dieser Zeitraum zeigt, wie stark OpenAI den Test kontrolliert und wie begrenzt das aktuelle Inventar ist.
Die gemessenen 0,8 Prozent Anzeigenrate spiegeln deshalb eher strategische Zurückhaltung wider als Schwierigkeiten bei der Auslieferung.
Werbeanzeigen bei ChatGPT: Eine mögliche Disruption für das Werbeökosystem
Neben der reinen Anzeigenintegration verfolgt OpenAI offenbar eine größere Vision. Asad Awan, Leiter für Monetarisierung bei OpenAI, beschrieb eine mögliche Zukunft, in der kleine Unternehmen ihre Werbekampagnen direkt über ChatGPT erstellen können, indem sie Kampagnen einfach per Prompt formulieren.
Statt komplexer Werbeplattformen oder Agenturinterfaces könnten Kampagnen also künftig direkt im Dialog mit einer KI entstehen. Sollte sich dieses Modell durchsetzen, hätte das weitreichende Auswirkungen auf das bestehende Werbeökosystem und insbesondere auf klassische Agenturstrukturen.
Große Herausforderungen für Werbung in KI-Tools
Trotz der Pilotphase steht OpenAI vor grundlegenden technischen und strukturellen Fragen. Ein zentrales Problem ist die Messbarkeit von Werbung in einer Chat-Umgebung. Anders als bei klassischen Anzeigen gibt es aktuell:
- kein Pixel-Tracking
- kein etabliertes Attributionsmodell
- keine klare Messung von Conversions
In einer Konversation klickt der Nutzer häufig nicht auf einen Link, sondern stellt einfach eine weitere Frage. Das macht klassische Performance-Messung deutlich schwieriger. Gleichzeitig kämpft OpenAI weiterhin mit hohen Kosten für Training und Betrieb der Modelle. Die Monetarisierung durch Werbung ist daher nicht nur ein Experiment, sondern könnte langfristig ein wichtiger Baustein im Geschäftsmodell werden.
Wann wird ChatGPT Werbung in Deutschland möglich sein?
Der erste Test zur Anzeigenschaltung bei ChatGPT beschränkt sich vollständig auf den US-Markt und läuft offiziell als Pilotprogramm. OpenAI verlangt sogar, dass beteiligte Partner ihre Teilnahme öffentlich ausdrücklich als Test und nicht als Produktlaunch bezeichnen. Dennoch zeigt die Entwicklung klar, wohin die Reise geht. ChatGPT zählt mittlerweile zu den meistgenutzten digitalen Plattformen weltweit. Sollte das Werbemodell funktionieren, dürfte eine Ausweitung auf weitere Märkte wahrscheinlich sein.
Für Unternehmen und Marketingverantwortliche bedeutet das vor allem eines: Konversationsbasierte Werbung könnte schon bald ein neuer Kanal im digitalen Marketing werden. Auch wenn Deutschland noch nicht Teil des Experiments ist, spricht vieles dafür, dass dieser Schritt früher oder später auch hier ankommt. Bis die Anzeigenschaltung bei ChatGPT für die breite Masse verfügbar sein wird, könnten noch Monate ins Land gehen.
Mehr Informationen gibt es ansonsten auch direkt im offiziellen Artikel von OpenAI: „Testen von Anzeigen in ChatGPT„.



