Der erste Kontakt mit deiner Marke passiert früher, als du denkst.
Du willst neue Laufschuhe kaufen, ein Smartphone ersetzen oder dich über einen neuen Streamingdienst informieren. Noch bevor du einen Shop betrittst oder auf einen „Kaufen“-Button klickst, hast du bereits recherchiert: Du hast gegoogelt, Bewertungen gelesen, vielleicht ein YouTube-Video angeschaut oder direkt eine KI wie ChatGPT gefragt.
Genau hier beginnt der entscheidende Moment im Marketing: der Zero Moment of Truth (ZMOT). Er beschreibt den Zeitpunkt, an dem sich Menschen aktiv informieren, Anbieter vergleichen und eine Vorauswahl treffen – lange bevor es zu einer konkreten Kaufhandlung oder einem ersten Kontakt kommt.
Kurz gesagt: Wenn deine Marke im ZMOT nicht sichtbar oder nicht überzeugend ist, wirst du häufig gar nicht erst in Betracht gezogen.
Was ist der Zero Moment of Truth?
Der Zero Moment of Truth wurde ursprünglich von Google geprägt und bezeichnet die Phase der Informationssuche vor dem eigentlichen Kauf. Er liegt zeitlich vor dem klassischen First Moment of Truth (FMOT), also dem Moment, in dem jemand ein Produkt zum ersten Mal sieht oder mit einem Anbieter direkt interagiert.
Heute ist der ZMOT jedoch weiter zu denken: Er findet nicht mehr nur in Suchmaschinen statt, sondern zunehmend auch in KI-gestützten Systemen, die Informationen zusammenfassen, bewerten und einordnen. Die drei Momente der Wahrheit im Überblick:
- Zero Moment of Truth (ZMOT): Informations- und Orientierungsphase (Recherche, Vergleiche, Bewertungen, KI-Antworten)
- First Moment of Truth (FMOT): Erster direkter Kontakt mit Produkt oder Anbieter (Website, Shop, Angebot)
- Second Moment of Truth (SMOT): Nutzungserfahrung nach dem Kauf (Erfahrung, Bewertung, Weiterempfehlung)
Während Marketing früher stark auf den FMOT fokussiert war, fällt die eigentliche Kaufentscheidung heute häufig bereits im ZMOT. Menschen wollen verstehen, vergleichen und Sicherheit gewinnen – und erwarten dabei schnelle, strukturierte Antworten.
ZMOT im Alltag: So entstehen Kaufentscheidungen heute
Im Alltag ist der Zero Moment of Truth allgegenwärtig. Kaum ein Produkt und kaum eine Dienstleistung wird heute gewählt, ohne dass zuvor recherchiert wird. Preise werden verglichen, Erfahrungsberichte gelesen, Alternativen geprüft.
Neu ist dabei nicht nur wo recherchiert wird, sondern wie. Neben klassischen Suchmaschinen nutzen Menschen zunehmend LLMs (kurz für „Large Language Models“) wie ChatGPT, Gemini oder Perplexity, um sich einen ersten Überblick zu verschaffen oder eine Entscheidung einzuordnen.
Dabei geht es nicht nur um Fakten, sondern vor allem um Vertrauen und Orientierung. Bewertungen, Empfehlungen und konsistente Aussagen über verschiedene Quellen hinweg beeinflussen maßgeblich, wie glaubwürdig eine Marke wahrgenommen wird.
Der ZMOT ist damit kein einzelner Moment mehr, sondern ein Prozess, in dem sich Eindrücke verdichten – oft, ohne dass Nutzer einzelne Websites bewusst vergleichen.
Welche Touchpoints prägen den Zero Moment of Truth?
Der Zero Moment of Truth ist kein einzelner Touchpoint, sondern ein Ökosystem aus Informationen und Eindrücken. Dazu gehören unter anderem:
- Suchmaschinen (z.B. Google oder Bing)
- KI-gestützte Systeme & LLMs (z.B. ChatGPT, Gemini oder Perplexity)
- Blogartikel und Fachbeiträge
- Bewertungen und Erfahrungsberichte
- Social-Media-Profile und Kommentare
- Vergleichsportale
- Empfehlungen aus dem persönlichen Netzwerk
Warum LLMs echte ZMOT-Touchpoints sind
LLMs übernehmen im ZMOT eine neue Rolle. Sie fungieren gleichzeitig als Suchmaschine, Vergleichsportal und Empfehlungsinstanz. Nutzer stellen konkrete Entscheidungsfragen und erhalten vorstrukturierte Antworten – oft ohne weitere Recherche.
Damit findet ein wesentlicher Teil der Meinungsbildung direkt im KI-System statt. Für Unternehmen bedeutet das: Sichtbarkeit im ZMOT heißt heute auch, so präsent und verständlich zu sein, dass KI-Systeme die eigene Expertise korrekt einordnen und weitergeben können.
Die eigene Website bleibt dabei wichtig, aber sie ist zunehmend eine Quelle unter vielen, aus denen KI-Systeme Informationen aggregieren.
Warum der ZMOT so kaufentscheidend ist
Menschen kaufen keine Produkte oder Dienstleistungen im luftleeren Raum. Sie kaufen Sicherheit, Vertrauen und Orientierung. Genau diese Faktoren entstehen im Zero Moment of Truth.
Wenn relevante Informationen leicht zugänglich sind, Aussagen konsistent wirken und andere positive Erfahrungen teilen, sinkt die Hemmschwelle für eine Entscheidung deutlich. Der ZMOT verkürzt Entscheidungsprozesse – oder schließt Anbieter frühzeitig aus.
Der Zero Moment of Truth entscheidet dabei vor allem über drei Dinge:
- Sichtbarkeit: Wer im ZMOT nicht auftaucht, existiert für viele Entscheider nicht.
- Vertrauen: Klare Inhalte, Bewertungen und Expertise schaffen Glaubwürdigkeit.
- Vorauswahl: Viele Entscheidungen sind gefallen, bevor der erste direkte Kontakt entsteht.
Gerade im B2B werden Vertriebsgespräche häufig nur noch mit Anbietern geführt, die im ZMOT bereits überzeugt haben.
So optimierst du deinen Zero Moment of Truth
Den Zero Moment of Truth zu optimieren bedeutet, die Perspektive zu wechseln: weg vom eigenen Angebot, hin zu den Fragen der Zielgruppe. Entscheidend ist nicht, was du verkaufen willst, sondern welche Informationen Menschen in ihrer Entscheidungsphase benötigen.
Eine wirksame ZMOT-Strategie basiert auf:
- einem klaren Verständnis der Zielgruppe
- relevanten, gut strukturierten Inhalten
- konsistenten Aussagen über alle Touchpoints hinweg
- Inhalten, die auch für KI-Systeme verständlich sind
Was im B2C wirklich funktioniert
Im B2C überzeugen vor allem Inhalte, die Unsicherheit reduzieren und Vergleichbarkeit schaffen:
- Ratgeber und Erklärartikel
- Vergleiche und Entscheidungshilfen
- Anwendungsbeispiele
- Bewertungen und Erfahrungsberichte
Diese Inhalte sollten entlang der gesamten Customer Journey verfügbar sein: von der ersten Recherche bis zur konkreten Kaufentscheidung.
ZMOT: Besonderheiten im B2B
Im B2B ist der ZMOT meist länger und komplexer. Kaufentscheidungen betreffen Budgets, Prozesse und mehrere Stakeholder.
Typische Fragen im ZMOT sind:
- Wie arbeitet der Anbieter konkret?
- Welche Erfahrung und Spezialisierung gibt es?
- Gibt es vergleichbare Projekte oder belastbare Referenzen?
Content übernimmt hier die Funktion eines Vertrauensfilters. Fachartikel, Case Studies, Whitepaper oder Webinare helfen dabei, Kompetenz früh sichtbar zu machen. Der ZMOT entscheidet im B2B selten über den Abschluss, aber fast immer darüber, wer überhaupt eingeladen wird.
ZMOT im Zeitalter von KI & generativer Suche
Mit dem Einsatz von KI-Systemen verändert sich der Zero Moment of Truth grundlegend. Menschen stellen ihre Fragen zunehmend direkt an LLMs – und erwarten sofortige, strukturierte Antworten.
Für Unternehmen bedeutet das:
- Inhalte müssen klar, präzise und kontextreich sein
- Aussagen sollten konsistent und belegbar sein
- Expertise muss maschinenlesbar und nachvollziehbar sein
Sichtbarkeit im ZMOT entsteht damit nicht mehr nur durch Rankings, sondern durch inhaltliche Relevanz und Verständlichkeit für Mensch und Maschine.
ZMOT und Online-Marketing: Die wichtigsten Disziplinen
Der Zero Moment of Truth ist kein Kanal, sondern das Ergebnis eines abgestimmten Online-Marketing-Mix.
Suchmaschinenoptimierung (SEO)
SEO bleibt ein zentraler Einstiegspunkt im ZMOT. Erfolgreicher SEO-Content:
- beantwortet konkrete Fragen
- ist klar strukturiert
- zeigt Expertise statt Werbesprache
Content Marketing
Content ist das Fundament des ZMOT. Dazu gehören:
- Blogartikel
- Guides und How-tos
- Whitepaper
- Case Studies
- FAQ-Seiten
Der Grundsatz lautet: Mehrwert vor Verkauf.
Social Media Marketing
Social-Media verstärkt den ZMOT durch Social Proof. Kommentare, Diskussionen und Empfehlungen beeinflussen die Wahrnehmung einer Marke oft stärker als klassische Werbung.
Online-Reputation & Bewertungen
Bewertungen sind ein entscheidender Faktor im ZMOT. Das gilt genauso für B2C wie im B2B. Ein professioneller Umgang mit Feedback ist Pflicht.
Der Zero Moment of Truth entscheidet früher, als man denkt
Kaufentscheidungen beginnen heute online und zunehmend in KI-Systemen. Der Zero Moment of Truth ist der Moment, in dem sich Menschen eine Meinung bilden, Vertrauen aufbauen oder verlieren und Anbieter vergleichen.
Wer diesen Moment aktiv gestaltet, gewinnt Relevanz und langfristig Kunden. Wer ihn ignoriert, überlässt die Entscheidung dem Wettbewerb oder dem Zufall.
Gutes Marketing beginnt nicht beim Verkauf, sondern beim Informieren.
Wie sichtbar ist deine Marke im Zero Moment of Truth?
Wir unterstützen Unternehmen dabei, genau in dieser frühen Phase relevant zu sein. Mit Strategie, Content, SEO und Performance-Marketing.


