Die Herausforderungen beim Management großer Webseiten

Große Webseiten oder Online-Shops mit Hunderten von Produkten und Dienstleistungen stellen nicht nur für das Webdesign, sondern insbesondere auch für die Suchmaschinenoptimierung (kurz SEO), eine echte Herausforderung dar. Um einen Überblick über die immense Anzahl an Inhalten zu behalten, dabei auf die internen und externen Verlinkungen zu achten und bloß keine doppelten Inhalte (Duplicate Content) zu generieren, bedarf es einer umfassenden Planung mit anschließender Kontrollfunktion. Im Folgenden soll daher auf die wesentlichen Stolperfallen und spezifischen Besonderheiten großer Webseiten näher eingegangen werden, damit Sie diese bei Ihrer eigenen Webseite kontrollieren oder bei Ihrem nächsten Projekt berücksichtigen können.

1. Benutzerführung der Webseite

Damit die Nutzer Ihrer Seite möglichst lange bei Ihnen bleiben und letztlich zu Ihren Kunden werden, bedarf es einer professionellen Benutzerführung. Ihre Nutzer sollten im besten Fall in jedem Moment wissen, wo sie sich gegenwärtig auf Ihrer Webseite befinden und wie sie an ihr gewünschtes Ziel kommen. Jeder unnötige Klick erhöht die Wahrscheinlichkeit dafür, dass Ihre Nutzer die Seite wieder verlassen, ohne beispielsweise einen Kauf abzuschließen oder Kontakt zu Ihnen aufzunehmen. Die Seitennavigation befindet sich heutzutage üblicherweise am oberen Rand der Webseite, in der sogenannten Kopfzeile (Header). Damit Ihre Nutzer nicht erst lange nach oben scrollen müssen, sollte die Kopfzeile stehts im sichtbaren Bereich bleiben. Wir sprechen in dem Fall gerne von einem „Sticky Header“, also einer klebrigen Kopfzeile, die den Nutzern auf Schritt und Tritt folgt. Auf diese Weise können die Nutzer schnell und bequem durch Ihre Webseite navigieren. Darüber hinaus sollten mögliche Unterpunkte sinnvoll kategorisiert und schnell auffindbar sein. »Sneaker« sollten demnach unter »Schuhe« und nicht unter »Bekleidung« oder einer einzelnen Marke zu finden sein. Bei großen Webseiten und Online-Shops kann eine Seite oder ein Produkt schnell mal an die falsche Stelle rücken, was Sie unbedingt vermeiden sollten!

2. Die interne Suchfunktion

Neben der Navigation durch das entsprechende Menü in der Kopfzeile einer Homepage, spielt die interne Suchfunktion die wahrscheinlich größte Rolle für die Benutzerfreundlichkeit einer Webeseite. Über die Suchfunktionen lassen sich Produkte und Dienstleistungen in der Regel schnell und gezielt finden. Das Problem bei großen Webseiten besteht häufig darin, dass eine allgemein gehaltene Suchanfrage wie »Schuhe«, in einem entsprechenden Online-Shop, eine Vielzahl an Treffern liefert. Im Idealfall wird die Übersichtseite zu Schuhen an erster Stelle erscheinen. Häufig ist aber gerade dies nicht der Fall! Die Seiten müssen dafür im Vorfeld erst „gewichtet“ werden. Wörter in Überschriften erhalten dann zum Beispiel eine höhere Gewichtung, als im Fließtext einer Seite. Die Suche nach einem bestimmten Modell, führt dann auch ohne Umwege zu dem gewünschten Produkt und nicht zu einer allgemeinen Übersichtsseite.

3. Interne und externe Verlinkungen

Mithilfe von internen Verlinkungen wird Suchmaschinen (und Nutzern) das problemlose Crawlen der eigenen Webseite erleichtert. Daher sollten diese internen Verlinkungen regelmäßig überprüft und gepflegt werden. Wird eine Seite umbenannt oder beispielsweise gelöscht, müssen alle internen und externen Verlinkungen, die auf die veränderte Seite führen, zwingend angepasst werden. Dies ist bei 20 oder auch 50 Seiten noch kein Problem. Verfügt eine Webseite allerdings über Hunderte Seiten, dann gehen solche Verlinkungen gerne unter. Das Resultat sind 404-Fehlermeldungen, weil die entsprechenden Seiten nicht mehr über die alten Links zu erreichen sind. Aus SEO-Sicht sind solche „toten“ Links, als sehr negativ einzustufen und sprechen für ein unsauberes Arbeiten. Mithilfe von spezieller Software und Plugins können Sie solche internen Links jedoch problemlos identifizieren und selbst anpassen. Zieht eine Seite dauerhaft um oder wird gelöscht, müssen jedoch auch externe Links (mithilfe sogenannter 301-Weiterleitungen) umgelenkt werden. Ansonsten gehen Ihnen wertvolle Backlinks und Nutzer verloren, die aufgrund fehlender Umleitungen auf 404-Fehlerseiten und nicht auf Ihrer eigentlichen Homepage landen.

Seiten die über gar keine eingehenden (internen) Links verfügen, werden „verwaiste Seiten” oder „Orphan Pages“ genannt. Verwaiste Seiten können von Suchmaschinen, unter Umständen, als negativer eingestuft werden. Daher sollte jede Seite mindestens über einen ein- und ausgehenden internen Link verfügen. Im besten Fall sogar über mindestens einen Backlink, von einer anderen relevanten Webseite.

»Erfahren Sie mehr über das Backlink-Management«

4. Duplicate Content

Beim Duplicate Content (Doppelter Inhalt) handelt es sich um (fast) identische oder sehr ähnliche Inhalte, die auf unterschiedlichen Seiten vorkommen. Generell kann zwischen internen und externen Dopplungen unterschieden werden. Interner Duplicate Content bezieht sich auf die eigene Webseite (Domain) und kommt immer dann vor, wenn sich z.B. Texte auf zwei oder mehr Seiten sehr stark ähneln. Dies stellt für Suchmaschinen ein Problem dar, denn diese doppelten Inhalte liefern keinen Mehrwert für den Nutzer. Zu viele Inhaltsdopplungen machen es Suchmaschinen darüber hinaus sehr schwer zu entscheiden, welche Seite zu einem bestimmten Keyword priorisiert und indiziert werden soll. Im Extremfall wird keine der betroffenen Seiten bei Google indiziert. Typische Quellen von Duplicate Content sind zum Beispiel Tag-Übersichtsseiten, interne Suchergebnisseiten oder Produktseiten, die mehreren Kategorien zugeordnet sind. Ist ein bestimmtes Schuhmodell unter der Kategorie »Schuhe« und gleichzeitig unter einer Marke zu finden, kann dies zum Beispiel zu doppelten Inhalten führen.

Externer Duplicate Content bezieht sich auf nahezu identische Inhalte, die auf unterschiedlichen Domains existieren. Hierzu kommt es häufig, wenn zum Beispiel Hersteller-Informationen unverändert in den eigenen Shop integriert werden, Content von anderen Seiten kopiert (gestohlen) wird oder wenn Pressemitteilungen im Internet gestreut und dabei nicht verändert werden. Diese Form der Dopplung stellt für Google ein deutlich größeres Problem dar, weil teilweise unklar ist woher der Content ursprünglich stammt. Duplicate Content ist insbesondere ein Problem von großen Webseiten, weil es auch hier wieder für den Seitenbetreiber schwer ist den Überblick zu behalten. Insbesondere Produktseiten, Pressemitteilungen und Jobausschreibungen können sich schnell sehr stark ähneln und deshalb, von Google & Co., als Duplicate Content eingestuft werden. Aus diesem Grund ist es ratsam entsprechende SEO-Tools und Webanalysen einzusetzen, mittels derer doppelte Inhalte identifiziert und händisch behoben werden können.

Auf der Suche nach mehr Informationen? Die Google Webmaster haben einen extra Artikel zum Thema Duplicate Content für Sie verfasst!

5. Ergänzende Webanalysen

Wer sind eigentlich meine Nutzer (Stichwort: Buyer Persona)? Wo springen meine Nutzer am häufigsten ab? Woher kommen meine Nutzer und nach was wird am meisten gesucht? Fragen wie diese sollte sich jeder Webseitenbetreiber regelmäßig stellen! Mithilfe von Webanalysen können diese Fragen in der Regel sehr gut beantwortet und Seiten identifiziert werden, die einen großen Teil zum Umsatz beitragen. Webanalysen sind bei klein- bis mittelgroßen Webseiten noch sehr übersichtlich und mithilfe entsprechender Software recht einfach anzufertigen. Bei sehr großen Webseiten entstehen jedoch häufig so viele Daten, dass in dem Zusammenhang auch gerne von „Big Data“ gesprochen wird. Je größer eine Webseite ist und je mehr Nutzer diese hat, desto größer ist die entstehende Datenmenge.  Einen Überblick zu behalten wird also mit zunehmender Größe der Daten immer schwieriger und für viele Unternehmen nur dann realisierbar, wenn intern ein Verantwortlicher bestimmt oder eine externe Agentur beauftragt wird. Kleine Webseiten haben den Vorteil, dass sie mit unkomplizierten Dashboards via Google Analytics oder anderen Programmen überwacht und optimiert werden können. Große Webseiten haben es hier deutlich schwieriger.

6. Aktualität der Seiten und Inhalte

Die Aktualität von Inhalten wird für Suchmaschinen immer wichtiger, da diese Content bereitstellen möchten, der in erster Linie für die Suchenden relevant ist. Ein Beitrag über die „Fashion Trends 2016“ ist zwei Jahre später, zu einer allgemeinen Suchanfrage »Fashion Trends«, nicht mehr relevant. Suchmaschinen erkennen auch, wann Ihre Seite das letzte Mal aktualisiert worden ist. Es schadet daher nicht, die Kernthemen der eigenen Webseite von Zeit zu Zeit zu überarbeiten und aktuelle Themen und Zahlen aufzugreifen. Bei großen Webseiten kann dies schnell zu einer Lebensaufgabe werden, weshalb Sie sich von Anfang an einen konkreten Plan zurechtlegen sollten. Aktualisieren Sie Kernthemen in regelmäßigen Abständen, aber mindestens einmal im Jahr! Ein weiterer Punkt sind spezifische Angaben, die sich regelmäßig ändern und deshalb kontinuierlich angepasst werden müssen. Aussagen wie „Vor 27 Jahren gegründet“ oder „Über 30 zufriedene Kunden“, müssen regelmäßig neu angepasst werden. Ohne eine detaillierte Planung gehen solche Informationen schnell unter und plötzlich stehen auf Ihrer Webseite „falsche“ oder veraltete Informationen.

7. Die Sitemap

Die Sitemap dient Suchmaschinen in erster Linie zur Orientierung und kann daher als eine Art Landkarte angesehen werden. Google definiert die Sitemap selbst wie folgt:

Eine Sitemap ist eine Datei, in der Sie die einzelnen Webseiten Ihrer Website auflisten können. So informieren Sie Google und andere Suchmaschinen darüber, wie die Inhalte Ihrer Website strukturiert sind. Suchmaschinen-Webcrawler wie der Googlebot lesen diese Datei, um Ihre Website intelligenter crawlen zu können.“

Der Knackpunkt liegt bei großen Seiten in dem begrenzten Crawl Budget der Bots. Das Crawl Budget bezeichnet die Anzahl an Seiten, die ein Bot maximal crawlt bevor er Ihre Seite wieder verlässt. Google legt dabei selbst fest, wie viele Unterseiten pro URL gecrawlt werden. Die Anzahl unterscheidet sich von Webseite zu Webseite und ist an den PageRank der jeweiligen Seite geknüpft. Für große Webseiten gilt also, dass die wichtigsten Seiten und Inhalte am Anfang der Sitemap platziert werden und ggf. entsprechend gewichtet werden. Auf diese Weise werden die relevantesten Seiten, bei jedem Besuch des Bots, gecrawlt und in der Regel auch bei Google indiziert. Stehen Ihre Kerninhalte ungewichtet am Ende der Sitemap, hinter Hunderten Pressemitteilungen, dann können die betroffenen Inhalte unter Umständen nicht bei Google platziert werden. Eine gut strukturierte Sitemap bildet, insbesondere für große Webseiten, das Fundament der Suchmaschinenoptimierung und wird trotzdem gerne vernachlässigt.

8. Mehrsprachigkeit

Internationale Unternehmen und Online-Shops verfügen häufig über mehrere Sprachversionen. Es gibt also zum Beispiel eine /de und eine /com Endung der URL. Die Herausforderung besteht hier für große Webseiten in der richtigen Kennzeichnung für Suchmaschinen. Mittels einer „hreflang-Anmerkung“ kann Suchmaschinen mitgeteilt werden, welche Sprachversion für einen Nutzer ausgeliefert werden soll. Nutzer aus Deutschland erhalten auf dem Wege die deutschsprachige Version und Nutzer aus dem englischsprachigen Ausland eine entsprechende englische Version. Das häufigste Problem für große, internationale Unternehmen besteht jedoch erneut im Duplicate Content, weil große Teile der Webseite (fast oder teilweise) identisch für anderssprachige Webseiten übernommen werden. Mittels einer entsprechenden Codierung kann man Google jedoch signalisieren, dass die vorliegenden Inhalte in einer anderen Sprachversion vorliegen und dass eine Verbindung zwischen den Inhalten besteht.

Es gibt noch weitere Besonderheiten auf die, mit Rücksicht auf die Länge dieses Beitrages, nicht weiter angegangen werden kann. Denken Sie zum Beispiel an das Corporate Design, dass alle Seiten auf die ein oder andere Seite wiederspiegeln sollten oder an die Bereitstellung von Bildern und Videos. Online-Shops mit Hunderten Bildern setzen häufig auf sogenannte Content-Delivery-Networks (CDN), mit deren Hilfe Bilder schnell von externen Quellen bezogen werden können und damit keine langen Ladezeiten entstehen!

Bei Fragen oder Anregungen jeder Art können Sie mir gerne eine E-Mail an „[email protected]“ zukommen lassen!

Malte Ulbricht

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